GOLD OHNE STAAT

MACKGOLD | OBSIDIAN CIRCLE

Abteilung für strategische Geopolitik und natürliche Ressourcen

Warum Gold seine Funktion unabhängig davon bewahrt, wer das Geld emittiert

Veröffentlichungsdatum: 15. September 2026


Einleitung.

Wer steht hinter dem Wert

Fast jeder finanzielle Vermögenswert ist mit der Verpflichtung eines anderen verbunden.

Eine Bankeinlage setzt die Existenz einer Bank voraus.

Eine Anleihe setzt die Existenz eines Emittenten und dessen Fähigkeit voraus, sein Versprechen zu erfüllen.

Eine Banknote existiert innerhalb des Geldsystems eines Staates.

Buchgeld erfordert eine funktionierende Banken- und Zahlungsinfrastruktur.

Digitale Finanzinstrumente erfordern funktionierende Netzwerke, Software, Zugangsregeln und Mechanismen zur Bestätigung von Eigentumsrechten.

Die moderne Wirtschaft ist auf einer hochkomplexen Architektur gegenseitiger Verpflichtungen aufgebaut.

Gold nimmt innerhalb dieser Architektur eine ungewöhnliche Stellung ein.

Ein physischer Goldbarren ist kein Versprechen, seinem Eigentümer in der Zukunft etwas auszuzahlen.

Er stellt keine Staatsschuld dar.

Er ist keine Verbindlichkeit einer Bank.

Er verlangt von keinem Unternehmen die Rückzahlung eines Nennwerts.

Er hat keinen Emittenten, der einen Vertrag erfüllen muss.

Befindet sich physisches Gold im direkten Besitz und ist es nicht mit Ansprüchen Dritter belastet, hängt seine Existenz nicht von der Zahlungsfähigkeit eines anderen Teilnehmers des Finanzsystems ab.

Gerade deshalb geht die Frage nach Gold weit über die Frage nach seinem Preis hinaus.

Was bedeutet die Existenz eines Vermögenswerts, der zwischen unterschiedlichen Geldsystemen wechseln kann, ohne vollständig einem von ihnen anzugehören?


Geld ist eine Institution

Modernes Geld lässt sich nicht ausschließlich als Papier, Metall oder als Zahlen auf einem Bildschirm verstehen.

Geld ist in erster Linie eine Institution.

Damit eine nationale Währung funktionieren kann, müssen ein Staat, ein

Rechtssystem, eine Zentralbank, ein Geschäftsbankensystem, eine Zahlungsinfrastruktur, Mechanismen zur Durchsetzung von Verträgen und gesellschaftliches Vertrauen existieren.

Das ist kein Nachteil.

Gerade die institutionelle Natur des Geldes ermöglicht es der modernen Wirtschaft, in ihrem heutigen Maßstab zu funktionieren.

Fiatgeld ermöglicht Zahlungen zwischen Millionen von Teilnehmern.

Das Bankensystem schafft Kredit.

Zentralbanken steuern die monetären Bedingungen.

Finanzmärkte verteilen Kapital.

Der Staat erhebt Steuern und tätigt Ausgaben.

Gold kann diesen gesamten Mechanismus nicht ersetzen. Und es soll das auch nicht.

Der Fehler beginnt dort, wo Gold und moderne Währungen als zwei Varianten desselben Instruments betrachtet werden. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen.

Währung dient in erster Linie dazu, die wirtschaftliche Aktivität in Bewegung zu halten.

Historisch hat sich Gold als außergewöhnlich geeignet erwiesen, Wert zu bewahren und über lange Zeiträume eine Reservefunktion zu erfüllen.


Währung existiert innerhalb eines Systems

Jede staatliche Währung besitzt eine eigene Jurisdiktion.

Der Dollar ist mit dem Geldsystem der Vereinigten Staaten verbunden.

Der Euro ist mit der institutionellen Architektur des Euroraums verbunden.

Das Pfund Sterling ist mit dem britischen Geldsystem verbunden.

Der Yen ist mit dem japanischen Geldsystem verbunden.

Hinter jeder Währung steht ein konkreter Komplex von Institutionen.

Das verleiht einer Währung Stärke.

Gleichzeitig schafft es jedoch Abhängigkeit.

Veränderungen der Zinssätze beeinflussen ihren Wert.

Geldschöpfung beeinflusst die Kaufkraft.

Die Fiskalpolitik beeinflusst das Vertrauen.

Politische Entscheidungen können Kapitalströme und die Bedingungen für die Nutzung finanzieller Infrastruktur beeinflussen.

Eine Währung existiert nicht unabhängig vom Staat und von den Institutionen, die ihren Umlauf organisieren.

Gold funktioniert anders.

Gold hat keine Nationalität.

Ein Goldatom wird nicht amerikanisch, europäisch, schweizerisch oder singapurisch, nur weil es eine Staatsgrenze überschreitet.

Der rechtliche Status des Eigentums kann sich ändern.

Das Steuersystem kann sich ändern.

Der Preis in einer nationalen Währung kann sich ändern.

Doch die physikalischen Eigenschaften des Metalls bleiben dieselben.


Ein Vermögenswert ohne Emittenten

Dieser Unterschied wird besonders deutlich, wenn Gold mit Schuldinstrumenten verglichen wird.

Eine Anleihe stellt ein Versprechen dar.

Ein Teilnehmer des Finanzsystems stellt einem anderen Kapital zur Verfügung und erhält im Gegenzug einen Anspruch auf zukünftige Zahlungen.

Die Qualität eines solchen Vermögenswerts hängt daher von der Qualität der zugrunde liegenden Verpflichtung ab.

Wie zuverlässig ist der Emittent?

Ist er in der Lage, seine Schulden zu bedienen?

In welcher Währung erfolgt die Rückzahlung?

Wie wird sich die Kaufkraft dieser Währung verändern?

Welche rechtlichen Bedingungen regeln die Verpflichtung?

Bei Gold ist die Struktur anders.

Ein Goldbarren verspricht keinen zukünftigen Zahlungsstrom.

Er zahlt keinen Kupon.

Er wirft keine Zinsen ab.

Gerade das wird häufig als sein Nachteil bezeichnet.

Doch dieselbe Eigenschaft hat auch eine andere Seite.

Wenn es keine versprochene Zahlung gibt, gibt es auch keinen Emittenten, der diese Zahlung nicht leisten könnte.

In der Finanzterminologie gilt direkt gehaltenes physisches Gold als Vermögenswert ohne Kreditrisiko eines Emittenten.

Das bedeutet nicht, dass es frei von allen Risiken ist.

Es bestehen Preisrisiken, Lagerungsrisiken, Diebstahlrisiken, Fälschungsrisiken,

Liquiditätsbeschränkungen unter bestimmten Bedingungen, rechtliche Einschränkungen und operative Risiken.

Doch dabei handelt es sich um Risiken anderer Art.

Im Goldatom selbst ist kein Kreditversprechen enthalten.


Kontrahentenrisiko und physischer Besitz

Hier muss eine wichtige Unterscheidung getroffen werden.

Nicht jede wirtschaftliche Position, die mit Gold verbunden ist, besitzt dieselben Eigenschaften.

Ein Gold-Futures-Kontrakt ist nicht dasselbe wie ein physischer Goldbarren.

Ein Anteil an einem goldbezogenen Fonds ist nicht identisch mit dem direkten Besitz des Metalls.

Ein Bankanspruch auf Gold kann das Risiko eines Finanzintermediärs beinhalten.

Ein Derivat stellt eine vertragliche Beziehung zwischen Marktteilnehmern dar.

Daher bezieht sich die Aussage über das Fehlen eines Emittenten-Kreditrisikos in erster Linie auf physisches Gold im direkten Besitz, das keine Schuldverpflichtung eines Dritten darstellt.

Diese Präzisierung ist grundlegend.

Das Finanzsystem kann zahlreiche Instrumente rund um Gold schaffen.

Doch diese Instrumente können genau jenes Kontrahentenrisiko wieder einführen, von dem sich physisches Metall strukturell unterscheidet.

Gold und ein finanzieller Anspruch auf Gold sind nicht immer dasselbe wirtschaftliche Phänomen.


Imperien verschwinden schneller als Metalle

Die Geschichte des Geldes ist eine Geschichte des ständigen Wandels von Institutionen.

Staaten entstanden und verschwanden.

Imperien dehnten sich aus und zerfielen.

Währungseinheiten wurden reformiert.

Münzstandards änderten sich.

Papierwährungen entstanden, verloren an Wert, wurden ersetzt oder zusammengeführt.

Doch Gold ist immer wieder von einem politischen System in ein anderes übergegangen.

Römisches Gold hörte nach dem Untergang des Weströmischen Reiches nicht auf, Gold zu sein.

Metall, das einer Dynastie gehört hatte, konnte später im Schatz einer anderen landen.

Münzen wurden eingeschmolzen.

Barren änderten ihre Form.

Schmuck wurde zu Geldmetall, und Geldmetall wurde wieder zu Schmuck.

Die politische Zugehörigkeit änderte sich.

Die physische Natur blieb bestehen.

Dadurch entsteht eine ungewöhnliche zeitliche Asymmetrie.

Die Lebensdauer eines bestimmten Geldsystems kann in Jahrzehnten oder Jahrhunderten gemessen werden.

Die Geschichte des Goldes selbst als materieller Träger von Wert erstreckt sich über viele solcher Systeme hinweg.


Gold überdauert seine eigenen Geldformen

Auch die Rolle des Goldes selbst hat sich ständig verändert.

Einst wurde es unmittelbar als Geld verwendet.

Dann wurde es zur Grundlage von Münzsystemen.

Später wurde es Teil des Goldstandards, bei dem monetäre Verpflichtungen an eine bestimmte Menge des Metalls gebunden waren.

Im 20. Jahrhundert veränderte sich die internationale Währungsarchitektur erneut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg band das Bretton-Woods-System viele Währungen an den US-Dollar und den Dollar wiederum für offizielle internationale Transaktionen zu einem festgelegten Preis an Gold.

Im August 1971 beendeten die Vereinigten Staaten die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold für ausländische offizielle Halter.

Die anschließende Transformation des internationalen Währungssystems löste die heutigen führenden Währungen endgültig von ihrer früheren Goldbindung.

Man hätte annehmen können, dass Gold danach allmählich aus der Architektur staatlicher Reserven verschwinden würde.

Doch das geschah nicht.

Gold hörte auf, das Fundament des früheren Währungssystems zu sein.

Es hörte jedoch nicht auf, ein Reservevermögenswert zu sein.

Dieser Unterschied ist äußerst wichtig.


Das Paradoxon der Zentralbank

Eine moderne Zentralbank verfügt über Möglichkeiten, die Finanzinstitutionen der antiken Welt nicht hatten.

Sie wirkt an der Gestaltung der Geldbasis mit.

Sie steuert im Rahmen ihres Mandats die Zinssätze oder andere monetäre Bedingungen.

Sie stellt dem Finanzsystem Liquidität zur Verfügung.

Sie verwaltet internationale Reserven.

Und dennoch halten viele Zentralbanken weiterhin Gold.

Auf den ersten Blick wirkt das paradox.

Warum sollte eine Institution im Zentrum eines modernen Fiat-

Währungssystems ein Metall halten, das nicht mehr die notwendige Grundlage für die Ausgabe von Währung ist?

Die Antwort liegt in der Natur von Reserven.

Ein Reserveportfolio muss nicht ausschließlich aus Vermögenswerten bestehen, die für den täglichen Zahlungsverkehr maximal geeignet sind.

Es muss Liquidität, Sicherheit, Diversifikation, Währungsrisiken und Widerstandsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Szenarien berücksichtigen.

Gold fügt dieser Architektur eine besondere Eigenschaft hinzu.

Es ist keine Schuldverpflichtung eines ausländischen Staates.

Genau das unterscheidet es grundsätzlich von Staatsanleihen, Bankeinlagen und anderen finanziellen Forderungen.


Reserve und Vertrauen sind nicht dasselbe

Mitunter wird das Vorhandensein von Gold in Reserven als Ausdruck von Misstrauen gegenüber modernen Währungen interpretiert.

Das ist eine zu stark vereinfachte Erklärung.

Zentralbanken können gleichzeitig Gold, Fremdwährungen, staatliche Wertpapiere und andere Reservevermögenswerte halten.

Diese Instrumente schließen einander nicht zwangsläufig aus.

Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Gerade die Diversifikation ist eines der zentralen Prinzipien der Reservearchitektur.

Gold muss Währungsreserven nicht ersetzen, um sinnvoll zu sein.

Seine Funktion kann gerade darin bestehen, dass es sich anders verhält.

Wenn eine gesamte Reserve aus Verpflichtungen anderer Teilnehmer des Finanzsystems besteht, hängt sie vollständig von den jeweiligen Emittenten, Vermittlern und Institutionen ab.

Die Aufnahme eines Vermögenswerts ohne Emittenten verändert die Risikostruktur.

Gold sollte daher nicht als Ablehnung des modernen Währungssystems betrachtet werden.

Genauer gesagt ist es ein Element, das neben ihm existiert.


Der Staat kann den Preis des Goldes in seiner eigenen Währung bestimmen, aber nicht die Natur des Metalls

Staaten können das wirtschaftliche Leben des Goldes äußerst stark beeinflussen.

Sie können Handelsregeln festlegen.

Transaktionen besteuern.

Anforderungen für Import und Export bestimmen.

Finanzprodukte regulieren.

Die Reservepolitik gestalten.

In bestimmten historischen Perioden führten Staaten auch deutlich strengere Beschränkungen für den Besitz und den Umlauf von Gold ein.

Daher wäre es falsch zu behaupten, Gold existiere im rechtlichen Sinne „außerhalb des Staates“.

Eigentum existiert immer innerhalb einer bestimmten Rechtsordnung.

Doch es gibt eine tiefere Ebene.

Der Staat reguliert die Beziehung des Menschen zum Gold. Er erschafft nicht die physischen Eigenschaften des Goldes.

Er kann einen Steuersatz ändern.

Aber nicht die Ordnungszahl 79.

Er kann den Währungspreis einer Unze ändern.

Aber nicht die chemische Stabilität des Metalls.

Er kann Handelsregeln ändern.

Aber er kann durch eine Entscheidung der Zentralbank kein neues Gold schaffen.

In diesem Sinne besitzt Gold eine Unabhängigkeit, die Finanzinstrumente nicht haben.


Der Goldpreis und der Wert des Goldes sind unterschiedliche Kategorien Der Preis von Gold wird immer durch etwas anderes ausgedrückt.

Dollar pro Unze.

Euro pro Kilogramm.

Yen pro Gramm.

Wenn sich jedoch der Goldpreis in einer bestimmten Währung verändert, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sich nur die Bewertung des Goldes selbst verändert hat.

Auch die Einheit, in der dieser Preis ausgedrückt wird, kann sich verändert haben.

Das ist ein grundlegendes Problem jedes nominalen Preises.

Wenn Gold in einer Währung teurer wird, kann es dafür verschiedene Gründe geben: eine Veränderung der Nachfrage nach dem Metall; eine Veränderung der realen Zinssätze;

Inflationserwartungen; Währungsschwankungen;

geopolitisches Risiko; eine Veränderung der Reservepolitik; eine Veränderung des Vertrauens in Finanzanlagen.

Gold ist daher zugleich Ware und Gegenstand monetärer Messung.

Gerade diese Doppelnatur macht es ungewöhnlich.

Wir messen Gold in Geld. Doch im Laufe der Geschichte haben Menschen Gold immer wieder genutzt, um das Geld selbst zu bewerten.


Wenn sich die Maßeinheit verändert

Stellen wir uns einen Vermögenswert vor, dessen Preis über Jahrzehnte hinweg in einer bestimmten Währung deutlich gestiegen ist.

Intuitiv scheint es, als sei der Vermögenswert teurer geworden.

Doch die wirtschaftliche Analyse verlangt eine zweite Frage:

Was ist in dieser Zeit mit der Währung selbst geschehen?

Wenn ihre Kaufkraft gesunken ist, kann ein Teil des nominalen Preisanstiegs des

Vermögenswerts nicht nur eine Veränderung der Marktbewertung des Vermögenswerts selbst widerspiegeln, sondern auch eine Veränderung der Geldeinheit, in der er gemessen wird.

Bei Gold ist diese Frage besonders interessant, weil seine physische Einheit außergewöhnlich stabil ist.

Eine Feinunze bleibt eine Feinunze.

Was sich verändert, ist die Anzahl der Währungseinheiten, die für ihren Erwerb erforderlich ist.

Deshalb ist die langfristige Geschichte des Goldpreises zugleich Teil der Geschichte der Währungen selbst.


Souveränität und Reserve

Für einen Staat ist eine Reserve kein gewöhnliches Anlageportfolio.

Ihre Funktion ist wesentlich umfassender.

Eine Reserve kann notwendig sein, um externe Zahlungen zu gewährleisten, Vertrauen zu stützen, Krisen zu bewältigen und finanzielle Stabilität zu erhalten.

Daher ist die Rendite nur einer von mehreren Parametern.

Nicht weniger wichtig ist die Frage:

Von wem oder wovon hängt der Vermögenswert ab?

Genau hier erhält Gold eine strategische Dimension.

Eine Anleihe hängt vom Emittenten ab.

Eine Einlage hängt von einer Bank ab.

Eine Währung hängt von einem Währungssystem ab.

Physisches Gold hängt vor allem von der Möglichkeit ab, es sicher zu besitzen, zu lagern und bei Bedarf zu tauschen.

Das macht Gold nicht vollkommen unabhängig.

Aber es verringert die Zahl der institutionellen Ebenen zwischen dem Eigentümer und dem Vermögenswert selbst.

In der Reservearchitektur kann eine solche Eigenschaft gerade deshalb von Bedeutung sein, weil sie sich von den Eigenschaften anderer Reserveinstrumente unterscheidet.


Das digitale Zeitalter beseitigt diese Frage nicht

Das moderne Finanzsystem wird zunehmend digital.

Zahlungen werden schneller.

Vermögenswerte werden tokenisiert.

Abrechnungen werden automatisiert.

Finanzdaten bewegen sich nahezu augenblicklich.

In Zukunft könnte die monetäre Infrastruktur noch technologischer werden.

Doch die Digitalisierung beseitigt die grundlegende Frage der Gegenpartei nicht.

Sie verändert lediglich ihre Form.

Hinter einem digitalen Vermögenswert können weiterhin ein Emittent, ein Softwareprotokoll, ein Verwahrer, ein Netzwerk, gesetzliche Rahmenbedingungen oder eine Infrastruktur stehen.

Je komplexer das Finanzsystem wird, desto mehr Ebenen gegenseitiger Abhängigkeit entstehen.

Gerade deshalb wird die Existenz eines physischen Vermögenswerts ohne Emittenten im digitalen Zeitalter nicht weniger interessant.

Vielleicht sogar im Gegenteil.

Je abstrakter die Form des Geldes wird, desto deutlicher tritt der Unterschied zu einem Objekt hervor, dessen Wert nicht die Aufzeichnung der Verpflichtung eines anderen ist.


Doch auch Gold erfordert Vertrauen

Hier gilt es, eine weitere Vereinfachung zu vermeiden.

Manchmal heißt es, Gold erfordere kein Vertrauen.

Das ist falsch.

Auch der Marktwert von Gold besteht aufgrund menschlicher Anerkennung.

Damit Gold eine Reservefunktion erfüllen kann, müssen Menschen und Institutionen es weiterhin als wertvoll, liquide und als tauschfähiges Gut anerkennen.

Man muss auf die Reinheit des Barrens vertrauen.

Auf das Raffinationssystem.

Auf die Verwahrung.

Auf das Gewicht.

Auf die Herkunft.

Auf das Eigentumsrecht.

Auf den Markt, auf dem das Metall verkauft werden kann.

Daher existiert Gold nicht außerhalb von Vertrauen.

Seine Besonderheit liegt in etwas anderem.

Das Vertrauen richtet sich nicht auf das Versprechen eines Emittenten, künftig etwas zu leisten, sondern auf die Eigenschaften des Vermögenswerts selbst und auf das über lange Zeit gewachsene System seiner Anerkennung.

Das ist eine grundsätzlich andere Form des Vertrauens.


Zwei Architekturen des Vertrauens

Das moderne Finanzsystem zeigt somit zwei unterschiedliche Modelle.

Das erste ist institutionelles Vertrauen.

Wir akzeptieren eine Währung, weil es einen Staat, eine Rechtsordnung, eine

Zentralbank, ein Steuersystem, eine Wirtschaft und eine Zahlungsinfrastruktur gibt.

Das zweite ist Vertrauen in einen Vermögenswert, der historisch unabhängig von einem bestimmten Emittenten anerkannt wurde.

Gold gehört überwiegend zur zweiten Kategorie.

Das eine Modell beseitigt das andere nicht.

Die moderne Zivilisation braucht institutionelles Geld.

Ohne dieses wären Kredit, Massenverkehr von Zahlungen, moderne Staatshaushalte, Finanzmärkte und eine komplexe globale Wirtschaft kaum vorstellbar.

Doch gerade weil ein großer Teil des Systems auf gegenseitigen Verpflichtungen beruht, kann ein Vermögenswert anderer Art eine besondere Funktion erfüllen.

Nicht das System ersetzen.

Sondern eine zusätzliche Ebene der Widerstandsfähigkeit innerhalb des Systems schaffen.


Gold zwischen den Systemen

In früheren Untersuchungen von MACKGOLD | OBSIDIAN CIRCLE haben wir Gold als seltenes Element, als Ergebnis kosmischer Geschichte und als einen gewaltigen, von der Menschheit angesammelten oberirdischen Bestand betrachtet.

Doch es gibt noch eine weitere Dimension.

Gold kann nicht nur zwischen Eigentümern wechseln.

Es kann zwischen monetären Epochen wechseln.

Eine Währung ersetzt eine andere.

Staaten verändern sich.

Abrechnungssysteme verändern sich.

Reservestandards verändern sich.

Technologien zur Speicherung und Übertragung von Wert verändern sich.

Das Metall jedoch kann eingeschmolzen, standardisiert und erneut in ein neues Wirtschaftssystem integriert werden.

Deshalb besitzt Gold eine ungewöhnliche Form institutioneller Dauerhaftigkeit.

Nicht, weil es unverändert stets dieselbe Funktion erfüllt.

Im Gegenteil.

Seine Funktionen verändern sich ständig.

Gerade die Fähigkeit, Veränderungen von Funktionen und Systemen zu überdauern, macht Gold historisch außergewöhnlich.


Schlussfolgerung.

Ein Vermögenswert, der keinen Emittenten braucht

Die moderne Wirtschaft kann ohne Staaten, Banken, Kredit, Währungen und Finanzmärkte nicht existieren.

Gold ist keine Alternative zu dieser gesamten Architektur.

Es stellt eine andere Art wirtschaftlichen Objekts dar.

Sein grundlegender Unterschied liegt nicht im Glanz.

Nicht nur in der Seltenheit.

Nicht nur in der Geschichte.

Und auch nicht nur in seiner Fähigkeit, sich nahezu unbegrenzt lange zu erhalten.

Der entscheidende Unterschied ist struktureller Natur.

Gold ist niemandes Versprechen.

Damit eine Anleihe ihren Wert behält, muss der Emittent seine Verpflichtungen erfüllen.

Damit eine Einlage verfügbar bleibt, muss das Bankensystem funktionieren.

Damit eine Währung Vertrauen bewahrt, müssen die Institutionen bestehen bleiben, die ihren Umlauf tragen.

Damit physisches Gold weiterhin Gold bleibt, ist von keinem Emittenten irgendetwas erforderlich.

Das macht es nicht risikofrei.

Es macht es nicht zu perfektem Geld.

Es garantiert keinen Preisanstieg.

Doch es ordnet Gold einer eigenen Kategorie von Vermögenswerten zu.

Staaten schaffen Währungen.

Banken schaffen Kredit.

Finanzmärkte schaffen zahllose Formen von Forderungen und Verpflichtungen.

Technologien schaffen immer neue Möglichkeiten, Wert zu übertragen.

Und Gold durchläuft diese Systeme, ohne endgültig einem von ihnen anzugehören.

Vielleicht sieht gerade deshalb eines der interessantesten Paradoxa des modernen Geldsystems so aus:

Staaten besitzen die Macht, Geld zu schaffen, halten aber weiterhin ein Metall, das sie nicht schaffen können.

Nicht weil Gold Geld ersetzen sollte.

Sondern weil in einer Welt der Verpflichtungen ein Vermögenswert von Wert ist, der selbst keine Verpflichtung darstellt.


MACKGOLD | OBSIDIAN CIRCLE

Abteilung für strategische Geopolitik und natürliche Ressourcen

  1. September 2026