Australia: Gold, Bergbau und die Energie der Zukunft.

Veröffentlichungsdatum: 15. November 2025

Herausgegeben von MACKGOLD | OBSIDIAN CIRCLE
Strategic Geopolitics and Natural Resources Unit
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Australien bleibt eine der führenden Goldnationen der Welt und entwickelt sich gleichzeitig zu einem Labor für ein neues Modell im Umgang mit erschöpflichen Lagerstätten. Branchenberichte zeigen, dass das Land im Finanzjahr 2024/2025 erneut ein Produktionsniveau von rund dreihundert Tonnen Gold pro Jahr erreicht hat. Die großen Betriebe — Boddington, Super Pit (KCGM), Cadia, St Ives, Tropicana — liefern jeweils mehrere Hunderttausend Unzen pro Quartal und bilden zusammen ein Produktionsvolumen, das Exporterlöse in Höhe von mehreren Dutzend Milliarden australischer Dollar generiert.


Gleichzeitig deuten Prognosen darauf hin, dass die Goldförderung im Jahr 2024 leicht zurückging, auf etwa 10,3 Millionen Unzen — rund 320–330 Tonnen — und damit das vierte Jahr in Folge einen moderaten Rückgang verzeichnete. Die Ursachen liegen nicht in einer Erschöpfung des geologischen Potenzials, sondern im Übergang zu komplexeren untertägigen Abbaugeometrien, Verzögerungen bei der Erschließung neuer Blöcke sowie in wachsenden Umweltanforderungen an Projekte.


Vor diesem Hintergrund erhält das Beispiel der Mine Mount Rawdon in Queensland besondere Bedeutung. Bis vor Kurzem war sie ein aktiver Tagebau für Gold, betrieben von Evolution Mining. Im September 2025 kündigte das Unternehmen das Ende der Erzförderung und den Übergang in eine völlig neue Lebensphase des Standorts an: der Tagebau soll in ein Pumpspeicherkraftwerk umgewandelt werden. Das Projekt Mount Rawdon Pumped Hydro gilt als der erste Fall in Australien, in dem eine produzierende Goldmine in ein großskaliges Energiespeichersystem überführt wird.


Der Kern des Projekts besteht in der Errichtung zweier Wasserreservoirs auf unterschiedlichen Höhen, wobei das untere Becken im bestehenden Mount-Rawdon-Tagebau angelegt wird. Laut Angaben der Regierung von Queensland und den Unterlagen der Bewertungsverfahren ist ein Investitionsvolumen von rund 3,3 Milliarden AUD vorgesehen, mit einer geplanten Speicherkapazität von bis zu 20 GWh. Die technische Konfiguration ermöglicht eine Leistung von bis zu 2 GW über zehn Stunden oder längere Laufzeiten bei geringerer Leistung. Perspektivisch könnte die Anlage die abendliche Spitzenlast von bis zu zwei Millionen Haushalten im Bundesstaat abdecken. In der Bauphase sollen etwa tausend Arbeitsplätze entstehen, der spätere Betrieb wird rund fünfzig Beschäftigte umfassen.


Der Bundesstaat Queensland hat seine Unterstützung bereits erklärt: mindestens fünfzig Millionen AUD wurden für die Vorbereitungsphase und die Machbarkeitsstudien zugesagt, ein Teil davon über die staatliche CleanCo, die für emissionsarme Stromerzeugung zuständig ist. Diese Entscheidung fügt sich in eine umfassendere Strategie des Bundesstaates zur Stärkung der Pumpspeicherinfrastruktur ein, einschließlich der Modernisierung des bestehenden Kraftwerks Wivenhoe und des Baus eines weiteren Systems auf Grundlage der erschöpften Goldmine Kidston im Norden Queenslands, wo ein Pumpspeicherkraftwerk mit rund 250 MW Leistung und einem Acht-Stunden-Speicherzyklus entsteht.


Die wissenschaftliche Grundlage für derartige Projekte wurde bereits früher gelegt. Eine Studie einer Arbeitsgruppe der Australian National University, die sich mit der Nutzung ehemaliger Bergbaustandorte für Pumpspeicher befasst, identifizierte allein in Australien 37 potenziell geeignete Tagebaue und Schächte. Die Forscher stellten fest, dass große offene Gruben über eine einzigartige Kombination aus Tiefe, Volumen und Geometrie verfügen, die die Schaffung von Wasserreservoirs mit minimalem zusätzlichen Erdaushub ermöglicht — und damit geringere Investitionskosten sowie geringere Landschaftseingriffe im Vergleich zu völlig neuen Wasserbauwerken.


Dennoch bleiben die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Risikomanagement hoch. Berichte von Analysezentren wie dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis betonen, dass die Umsetzung von Pumpspeichersystemen auf ehemaligen Bergbauflächen besondere Aufmerksamkeit für Böschungsstabilität, Hydrogeologie, langfristige Betreiberverantwortung und den Schutz der Steuerzahlerinteressen erfordert. Die zentrale Frage betrifft nicht nur die technische Realisierbarkeit, sondern auch die Verteilung finanzieller und ökologischer Risiken zwischen privatem Investor und Staat.


Im größeren Kontext fügt sich die australische Erfahrung in den globalen Wettlauf zur Dekarbonisierung der Bergbauindustrie ein. Internationale Studien schätzen, dass Abbau und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe zwischen vier und sieben Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Australische Unternehmen, darunter Fortescue, haben angekündigt, bis 2030–2031 eine sogenannte „Real-Zero“-Emissionsbilanz zu erreichen, indem sie auf Elektrifizierung der Ausrüstung, erneuerbare Energiequellen und den Einsatz industrieller Batteriesysteme setzen.


In dieser Perspektive werden Goldminen nicht nur als Produzenten eines Metalls betrachtet, sondern auch als Erprobungsfelder für den energetischen und infrastrukturellen Wandel. In ihrer aktiven Lebensphase schaffen sie Exporterlöse, Arbeitsplätze und regionale wirtschaftliche Stabilität; nach dem Ende des Abbaus können sie sich in zentrale Bausteine der Energiespeicherarchitektur verwandeln. Das Projekt Mount Rawdon zeigt, dass die Infrastruktur der Goldgewinnung ein „zweites Leben“ als tragendes Element der Versorgungssicherheit im Stromsystem erhalten kann, indem sie die schwankende Produktion von Solar- und Windkraft ausgleicht.


Für Australien als Goldnation bedeutet dies eine qualitative Veränderung in der Logik der Ressourcennutzung. Gold bleibt ein wichtiges Exportgut und ein Wertaufbewahrungsmittel, doch die Geografie der Goldlagerstätten beginnt zunehmend als Ressource für energetische Resilienz verstanden zu werden. Eine Mine ist nicht länger eine geschlossene Wunde auf der Landkarte, sondern ein ingenieurtechnisches Asset mit langem Lebenszyklus, das vom Rohstofflieferanten zum Energiespeicher wird.


Aus strategischer Sicht zeigen die Beispiele Mount Rawdon und Kidston, wohin sich das Zusammenspiel zwischen Bergbausektor und Energiepolitik entwickeln könnte. Sollte auch nur ein Teil der von Forschern identifizierten potenziellen Standorte realisiert werden, könnte Australien nicht nur seinen Status als bedeutender Goldproduzent behaupten, sondern auch zu einem weltweit führenden Akteur in der Einbindung erschöpfter Lagerstätten in die Infrastruktur einer kohlenstoffarmen Wirtschaft werden. Für staatliche Regulierungsbehörden und private Investoren entsteht damit eine neue Kategorie von Vermögenswerten, deren Wert nicht nur in Unzen Erz, sondern auch in Megawattstunden steuerbarer Leistung gemessen wird, die ein ehemaliger Tagebau bereitstellen kann.


Das australische Modell zeigt, dass das Schicksal der Goldminen im 21. Jahrhundert ein anderes sein kann als in der klassischen Industrieära. Bei richtiger Planung werden sie zu Elementen langfristiger Infrastruktur und zu Pfeilern der Energiewende, und das geförderte Gold wirkt in der Wirtschaft weiter — nicht nur als Metall, sondern als Grundlage neuer Formen von Resilienz.


Autoren:
MACKGOLD | OBSIDIAN CIRCLE
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